Geschlechtersensible Forschung bei entzündlichen Hauterkrankungen

Motivation/Argumentation für Thema / Projekt

Über 10% der Menschen in der Schweiz sind von entzündlichen Hauterkrankungen wie Psoriasis, atopische Dermatitis oder Hidradenitis suppurativa betroffen.  Diese Erkrankungen beeinträchtigen oft nicht nur die Haut, sondern auch das tägliche Leben, die Arbeit, das soziale Umfeld und die langfristige Gesundheit.

Hautkrankheiten können sich bei Frauen und Männern unterschiedlich darstellen.  Bislang wird bei Diagnose, Krankheitsverlauf oder Therapieansprechen allenfalls das biologische Geschlecht (Sex) berücksichtigt. Die soziale Dimension von Geschlecht – das sogenannte Gender, worunter wir z.B. die Geschlechterrolle verstehen – bleibt dabei weitgehend unberücksichtigt. Dabei zeigt sich: Gender hat Einfluss auf Krankheitsverlauf, Zugang zur Behandlung und Behandlungserfolg.

Um diese Zusammenhänge zu verstehen, fehlt es heute an geeigneten Daten. Bestehende Register und Forschungsstrukturen bilden Sex- und Gender-Aspekte meist gar nicht oder nur unzureichend ab. Dadurch bleiben wichtige Unterschiede unsichtbar, und Patient:innen erhalten nicht immer die bestmögliche, individuelle Behandlung.

Wir wollen diese Wissenslücke schliessen und sichtbar machen, wie biologische und soziale Unterschiede die Gesundheit von Menschen mit Hauterkrankungen beeinflussen. Unser Ziel ist es:

  • zu verstehen, wie das biologische und soziale Geschlecht den Krankheitsverlauf und die Wirkung von Therapien beeinflusst,
  • Patient:innen gezielter und gerechter zu behandeln,
  • neue Daten zu erheben und bestehende Register wie das Schweizer Psoriasis-Register um wichtige Informationen zu erweitern.

Afrika- Tansania:

Ab 2026 wird das Projekt zudem um eine internationale Komponente erweitert: In Kooperation mit zwei Spitälern in Tansania wird ein Forschungsteam drei Monate vor Ort tätig sein, um Daten und Proben zu erheben. Ziel ist es, die Rolle von biologischem Geschlecht und Gender in der Diagnose und Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen (Psoriasis, Atopische Dermatitis und Hidradenitis suppurativa) im globalen Kontext zu untersuchen. Die enge Verknüpfung mit der Global Healthcare Study on Psoriasis (GHSP) schafft dabei eine wichtige Brücke zwischen globaler Versorgungsforschung und lokalem Wissenstransfer – mit Relevanz über die Schweiz hinaus.

Ziel des Forschungsprojekts

Ziel dieses Projekts ist es, die biologischen und sozialen Unterschiede bei Menschen mit entzündlichen Hauterkrankungen sichtbar zu machen. Wir wollen verstehen, wie Sex und Gender die Entstehung, den Verlauf und das Therapieansprechen beeinflussen und welche Patientengruppen dabei besondere Risiken tragen. So sollen langfristige gesundheitliche Folgen minimiert und der Therapieverlauf individuell weiter verbessert werden. 

Wissenschaftliche Leitung / Team

Dieses Forschungsprojekt wird von zwei erfahrenen Ärztinnen und Forscherinnen getragen, die ihre Perspektiven und Kompetenzen in diesem Projekt vereinen:

Prof. Dr. med. Julia‑Tatjana Maul leitet am Universitätsspital Zürich ein renommiertes klinisches Forschungsteam und bringt langjährige Erfahrung in internationalen Studien mit. Sie hat mit internationalen Projekten wie der Global Healthcare Study on Psoriasis (GHSP) gezeigt, wie wichtig der länderübergreifende Blick auf Versorgungsgerechtigkeit ist. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt seit Jahren auf geschlechts- und genderbezogenen Unterschieden bei entzündlichen Hauterkrankungen.

ORCID: https://orcid.org/0000-0002-9914-1545

KD Dr. med. Tanja Volm verbindet ihre langjährige klinische Erfahrung mit grossem Engagement für Gleichstellung und Nachwuchsförderung in der Medizin. Sie setzt sich dafür ein, dass Gender-Aspekte systematisch in Ausbildung und Versorgung integriert werden – immer mit dem Ziel, innovative Ideen und nachhaltige Strukturen zu ermöglichen.

In ihrer wachsenden Zusammenarbeit möchten Frau Prof. Maul und KD Dr. Volm mit diesem Projekt dazu beitragen, dass entzündliche Hauterkrankungen künftig noch besser verstanden und behandelt werden können. Dabei geht es um die zentrale Frage, welche Rolle biologische Unterschiede und soziale Geschlechterrollen für Krankheitsentstehung, Verlauf und Therapie spielen – und wie diese Dimensionen in Forschung, Ausbildung und Versorgung nachhaltig verankert werden können.

Finanzierungsbedarf:

Für dieses Forschungsprojekt werden Mittel benötigt, um den Ausbau bestehender Register, die Erhebung neuer Daten und Proben, die Durchführung molekularer Analysen sowie die Nachwuchsförderung sicherzustellen.

Der Finanzierungsbedarf umfasst Personal, technische Infrastruktur, Laborkosten und die langfristige Einbindung von Expertinnen und Experten (100‘000 CHF).

Jede Spende – ob gross oder klein – trägt dazu bei, dass dieses wichtige Projekt umgesetzt werden kann und Menschen mit entzündlichen Hauterkrankungen von einer gerechteren und individuelleren Versorgung profitieren.

Zeitdauer:

2025 – 2030

Publikationen

  1. Birkenmaier, JT Maul. Beyond the surface: Integrating sex and gender in dermatologic therapy. Comment. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2025
  2. Lichtenberger, (…), JT Maul. Sex Disparities of Health-related Quality of Life in Moderate to Severe Psoriasis: A Real-world Analysis from the Swiss Psoriasis Registry (SDNTT). Acta Derm Venereol. 2025
  3. Bruch-Gerharz, B. Stephan, JT Maul. Haut und Schwangerschaft. Editorial. Derm (Heidelb). 2024 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39499297/
  4. Birkenmaier, (…), JT Maul. Psoriasis localization patterns in the Swiss Psoriasis Registry (SDNTT) over 11 years: an analysis by sex and age. Arch Dermatol Res. 2024 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39352439/
  5. Verardi, (…), JT Maul, Sex differences in adverse events from systemic treatments for psoriasis: A decade of insights from the Swiss Psoriasis Registry (SDNTT). JEADV 2024 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38084852/
  6. C. Guillet, (…), JT Maul, The impact of gender and sex in psoriasis: What to be aware of when treating women with psoriasis. Int J Womens Dermatol. 2022 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35619672/
  7. JT Maul et al., Association of sex and systemic therapy treatment outcomes in psoriasis: a two‐country, multicentre, prospective, noninterventional registry study. Br J Derm. 2021 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33837519/
  8. JT Maul et al., Gender and age significantly determine patient needs and treatment goals in psoriasis – a lesson for practice. J Eur Acad Dermatol Venereol  2019 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30388318/
  9. S. Matoori, (…), T. Volm et al., Transgender health and medicine – Are radiological devices prepared? Eur J Radiol. 2022 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35462272/
  10. T. Volm, Essay „Gendermedizin ist keine Frauenmedizin“ https://www.politikundpatient.ch/news/detail/gendermedizin-ist-keine-frauenmedizin
  11. Webseite Forschungsteam Prof. Julia-Tatjana Maul: https://www.usz.ch/en/department/dermatology/research-of-the-department-of-dermatology/research-focus-of-the-department-of-dermatology/research-group-julia-tatjana-maul-pd-dr-med/

Projektleitung

Prof. Dr. med. Julia‑Tatjana Maul

Projektleiterin

Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich

KD Dr. med. Tanja Volm

Projektleiterin

Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich